Abfahrtskontrolle für Nutzfahrzeuge: So geht es schnell, regelkonform und mit wenig Aufwand

Wenn ein Fahrzeug gemäß StVO in öffentlichem Raum eingesetzt wird, muss es in einwandfreiem Zustand sein. Gerade im gewerblichen Kraftfahrzeugverkehr ist deshalb eine regelmäßige Abfahrtskontrolle im Rahmen der DGUV-V 70 Pflicht. Hier erfahren Sie alles, was Sie zum Thema Abfahrtskontrolle wissen müssen, wie man diese sicher und effektiv für Lkw oder leichte Nutzfahrzeuge durchführt und welche Erleichterungen die digitale Abfahrtskontrolle bringt.

Was bedeutet Abfahrtskontrolle und warum ist sie notwendig?

Die Abfahrtskontrolle ist eine Rundum-Kontrolle des Fahrzeugs vor Fahrtantritt. Sie soll in erster Linie die Betriebssicherheit und die Verkehrssicherheit gewährleisten. Eine verlässliche Abfahrtskontrolle trägt aber auch zu einer stressfreien Fahrt und zum sicheren Transport der Ladung bei. Die Prüfungen für die Lkw-Führerscheinklassen C und CE umfassen deshalb die ordnungsgemäße Durchführung der Abfahrtskontrolle. Aber auch für kleinere Nutzfahrzeuge lohnt sich der systematische Check.

Wenn Fehler am Fahrzeug frühzeitig erkannt werden, reduziert sich das Risiko für Pannen oder Unfälle. Rollen Lkw oder leichte Nutzfahrzeuge ohne große, ungeplante Reparaturpausen auf der Straße, senkt das die Kosten, verhindert Transport- oder Terminausfälle und erhöht zudem die Lebenszeit und somit den Wert des Fahrzeugs.  

Die Abfahrtskontrolle ist also ebenfalls aus betriebswirtschaftlicher Sicht sinnvoll. Die Pflicht zum Fahrzeugcheck vor der Abfahrt ist aber ohnehin gesetzlich vorgeschrieben.

Das müssen Sie beim Thema Abfahrtskontrolle beachten!

Welche rechtlichen Vorgaben gibt es?

Indirekt wird die Abfahrtskontrolle in §23 der Straßenverkehrsordnung (StVO) unter „Sonstige Pflichten des Fahrzeugführers“ genannt. Dort steht zwar nichts von Abfahrtskontrolle, aber der Fahrer oder die Fahrerin wird dafür verantwortlich gemacht, dass das gesamte Fahrzeug, also Zug und Gespann, vorschriftsmäßig ist und die Verkehrssicherheit des Fahrzeugs nicht leidet. Dafür muss das Fahrzeug vor der Abfahrt kontrolliert werden. Vorgeschrieben ist die Abfahrtskontrolle für Lkw ebenfalls gemäß Vorschrift 70 der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV-V 70), die auch als Unfallverhütungsvorschrift bekannt ist. Hier steht, dass die Fahrzeugführenden vor Beginn der Arbeitsschicht die Wirksamkeit der Betätigungs- & Sicherheitseinrichtungen zu überprüfen haben – und dies selbst während der Schicht beobachten müssen. Unterbricht man also die Lenkzeit für mehr als 45 Minuten, lohnt sich eine weitere Überprüfung, also zumindest der Gang um das Fahrzeug, um offensichtliche Mängel zu überprüfen. Auch eine Schlusskontrolle am Fahrtende ist sinnvoll. So fallen Mängel auf, bevor das Fahrzeug erneut auf die Straße soll.

Wer ist für die Abfahrtskontrolle verantwortlich?

In der Regel sind der Fahrer oder die Fahrerin für die Durchführung der Abfahrtskontrolle verantwortlich. Dies gilt insbesondere für gewerblich genutzte Fahrzeuge, bei denen die Fahrer im Rahmen ihrer Sorgfaltspflicht sicherstellen müssen, dass das Fahrzeug in einem verkehrssicheren Zustand ist. Diese Verantwortung kann jedoch auch auf den Fahrzeughalter übertragen werden.

Damit die Abfahrtskontrolle glaubhaft dokumentiert ist, sollte sie direkt nach dem Stecken der Tachografenkarte erfolgen und Teil der Arbeitszeit sein. Wichtig dabei: Mit einem schnellen Gang um das Fahrzeug ist es nicht getan. Eine Abfahrtskontrolle sollte ungefähr 10 – 15 Minuten dauern.

Was muss bei einer Abfahrtskontrolle überprüft werden?

Eine Abfahrtskontrolle sollte eine systematische Überprüfung der Betätigungs- und Sicherheitseinrichtungen umfassen. Dazu gehören unter anderem Bremsen, Reifen, Lichtanlage, Lenkung und Fahrzeugpapiere. Zu einer vorschriftsmäßigen Abfahrtskontrolle gehört also, dass der Fahrer oder die beauftragte Person eine Checkliste gemäß den gesetzlichen Vorgaben abarbeitet, dabei eventuelle Mängel dokumentiert und die einzelnen Punkte der Abfahrtskontrolle nachweisen kann. Diese Mängel müssen zudem vor Fahrtantritt behoben werden. Der DGUV Grundsatz 314-002  „Kontrolle von Fahrzeugen durch Fahrpersonal“ stellt gegen Gebühr eine umfassende Checkliste bereit. Auch die verschiedenen Berufsgenossenschaften veröffentlichen Muster-Checklisten. Hier das Beispiel des BGHM.

Als grundsätzliche Prüfpunkte gelten:

  • Beleuchtung
  • Bereifung, Felgen, Federung
  • Bremsanalage/Bremsflüssigkeitsstand
  • Motor & Antrieb: z. B. Kontrolle des Ölstands und Keilriemen
  • Lenkanlage
  • Fahrerassistenzsysteme (z.B. Notbremsassistent) sind eingeschaltet und ohne Fehlermeldungen
  • Führerhaus
  • Kontrolle von Aufbau und Rahmen
  • Ladungssicherung: z. B. Einhalten der zulässigen Achslasten oder rutschfeste Sicherung der Ladung auch bei einer Vollbremsung
  • Anhänger-/Sattelanhänger und Kupplung sind geschlossen und gesichert für alle Fahrzeugelemente
  • Zubehör: z. B. vorhandene Zurrgurte, Antirutschmatten, Warndreieck, Feuerlöscher etc.

Eine gute Zusammenfassung bietet im Übrigen auch das Video zum Thema Abfahrtskontrolle des Logistik-Kanals.

Falsche oder fehlerhafte Abfahrtskontrolle? Was passiert jetzt?

Das Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) kontrolliert in der Regel die Ausführung der Abfahrtskontrolle nur, wenn offensichtliche Mängel vorliegen. Kann der Fahrer glaubhaft versichern, dass die fehlende Fahrzeugkontrolle ein Versehen war, bleibt es zumeist bei einer mündlichen Verwarnung. Es kann jedoch immer zu Kontrollen kommen.

Die Abfahrtskontrolle sollte man also nicht auf die leichte Schulter nehmen. Eine nicht regelkonforme Abfahrtskontrolle kann Konsequenzen nach sich ziehen. Unfälle aufgrund technischer Mängel können zu erheblichen Schäden an Personen und Fahrzeugen führen. Dann kann die Nichtbeachtung der Vorschriften sogar zu einem Verlust der Betriebserlaubnis des Fahrzeugs führen.

Entsteht also ein Schaden, der bei erfolgter Abfahrtskontrolle hätte vermieden werden können, kommen eventuell hohe Kosten auf Fahrer und Unternehmen zu. Selbst der fehlende Nachweis kann eine Teilschuld und/oder langwierige Rechtsstreitigkeiten nach sich ziehen. Trotzdem bleibt nicht immer genug Zeit für eine vorschriftsmäßige Abfahrtskontrolle.

Eine verlässliche Abfahrtskontrolle trägt zu einer stressfreien Fahrt bei.

Typische Probleme bei der Abfahrtskontrolle

Die Durchführung der Abfahrtskontrolle kann zeitaufwendig sein, insbesondere bei komplexen Fahrzeugen. Zudem lassen sich einige Mängel beim Gang um das Fahrzeug sowie dem Testen von Elektronik oder Ölstand nicht direkt erkennen. Schleichende Lecks in Reifen gehören zum Beispiel dazu und sind bei innenliegenden Zwillingsreifen für den Fahrer ohne Hilfsmittel nur schwer feststellbar.

Hier hilft die Digitalisierung weiter: Mit Webfleet Vehicle Check wird die Abfahrtskontrolle automatisiert und deutlich vereinfacht. Das spart viel Zeit, verbessert die Ergebnisse und erleichtert die Dokumentation.

Digitale Abfahrtskontrolle mit Webfleet Vehicle Check

Per Tablet oder Smartphone kann der Fahrer sämtliche Abfahrtskontrollpunkte durch einfaches „Swipen“ durchgehen und etwaige Mängel direkt in der Webfleet Vehicle Check App auch mittels Fotos dokumentieren. Die App lässt sich intuitiv ohne umfassende Schulung bedienen und es entsteht kein zusätzlicher Aufwand für die Archivierung, wie bei Papier-Checklisten. Die Kommunikation mit der Zentrale läuft effizient und unkompliziert ab, Fehler werden vermieden und alle Beteiligten wissen in Echtzeit Bescheid.

Durch die (digitale) Abfahrtskontrolle kann man also nicht nur die rechtlichen Vorgaben erfüllen, sondern gleichzeitig die Gesamtsicherheit der Flotte verbessern. Weil man bei Problemen schnell reagieren kann, wirkt sie sich auch auf die Servicequalität und die Zufriedenheit von Fahrern und Mitarbeitern in der Zentrale aus. Sie können sicher handeln, Termine trotz Problemen einhalten und haben im Falle einer Kontrolle oder eines Unfalls die notwendige Dokumentation jederzeit zur Hand.

Haben Sie Fragen zur digitalen Abfahrtskontrolle in Ihrem Unternehmen? Hier erreichen Sie unser Experten-Team!

Andreas Mykitiuk
Als Regional Sales Lead Webfleet Central (D-A-CH) für Bridgestone Mobility Solutions verfügt Andreas Mykitiuk über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Telematikbranche. Er arbeitet auf internationaler Ebene und hat Webfleet als Software Alliance Manager und Sales Engineer in D-A-CH sowie später als Account Manager unterstützt. Seit Mitte 2022 zeichnet er verantwortlich für alle Vertriebskanäle und nutzt sein umfangreiches Wissen und seine Erfahrung, um die Bedürfnisse und Anforderungen unserer Kunden zu verstehen und mit seinem Team die idealen Lösungen zu liefern. Er arbeitet dabei ebenfalls eng mit den Kollegen bei Bridgestone zusammen, um den Kunden und Partnern von Bridgestone die Vorteile der Lösungen von Bridgestone Mobility Solutions zu demonstrieren.

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